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Aus Namibia nach Gundremmingen

Die ersten 36 Jahre seines Lebens verbrachte Erich Brettschneider in Namibia. Heute leitet er für ISS die kerntechnischen Dienstleistungen eines stillgelegten Kernkraftwerkes. 

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Erzählt Erich Brettschneider seine Lebensgeschichte, tut man gut daran, die Ohren zu spitzen. Heute ist der 60-Jährige Standortleiter bei einem großen Energieunternehmen am stillgelegten Kernkraftwerk Gundremmingen und trägt dort die Verantwortung für rund 220 Mitarbeitende. Hinter ihm liegt eine bewegte Vergangenheit.

Das Licht der Welt erblickte Erich im Jahr 1964 auf dem afrikanischen Kontinent. „Ich bin in Windhoek, Namibia, geboren. Meine Eltern hatten eine Farm im Norden des Landes. Dort bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen“, erzählt er. Die ersten 36 Jahre seines Lebens verbrachte Erich in dem Land mit deutscher Kolonialgeschichte, das noch bis 1990 den Namen Südwestafrika trug. Im Zuge des Namibischen Befreiungskampfes, der von 1960 bis 1989 anhielt, erlangte der Staat seine Unabhängigkeit von Südafrika und wurde zur Republik Namibia.

Erich Brettschneider hat all das hautnah miterlebt. Während des Guerillakrieges trat der damals 19-Jährige, der Englisch, Deutsch und Afrikaans spricht, seinen vierjährigen Wehrdienst an. Über die meisten Erfahrungen spricht er ungerne. Eine jedoch hat ihn nachhaltig geprägt: „Während meines Aufenthalts bei der Luftwaffe habe ich meine Frau Claudia kennengelernt. 1990 haben wir geheiratet und weitere zehn Jahre in Namibia gelebt“, erzählt Erich. „In den Neunzigerjahren habe ich in Windhoek ein IT-Geschäft, das gleichzeitig auch eine Videothek war, betrieben“, sagt er.

Kurz nach der Jahrtausendwende wanderte das Ehepaar dann im Rahmen der Green Card-Initiative nach Deutschland aus. Die „Green Card“ ermöglichte es ausländischen IT-Fachkräften, unbürokratisch in die Bundesrepublik zu ziehen – Erich Brettschneider war einer davon. 2008 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach Stationen bei einer IT-Firma und einem Technologiekonzern führte sein Weg ihn 2010 in die Kerntechnik.

„2020 bin ich zu ISS gewechselt, im März 2021 wurde ich Standortleiter in Gundremmingen“, erzählt Erich, unter dessen Leitung sich das Personal von anfangs 85 Mitarbeitenden fast verdreifacht hat. „Ich pflege eine extrem enge, gute Zusammenarbeit mit meinem Team. Zusammen mit meinem Bereichsleiter Ulf haben wir hier viel erreicht. Ich bin bei ISS sehr glücklich und wenn ich gesund bleibe, arbeite ich gerne noch über das Renteneintrittsalter hinaus“, sagt Erich.

In Gundremmingen betreut er vier Bereiche im Rückbau des AKWs, dessen letzter Block im Jahr 2021 abgeschaltet wurde. „Der Rückbau umfasst Vorzerlegung, Nachzerlegung, Transport und Dekontamination. Außerdem betreiben wir ein hochfrequentiertes Mitarbeiterrestaurant, inklusive Kiosk, führen die Unterhaltsreinigung im Verwaltungsgebäude durch und sind für die Werkzeugausgabe zuständig“, berichtet Erich.

Dass ihm in naher Zukunft die Arbeit ausgeht, muss er nicht befürchten. „Der Rückbau wird bestimmt noch 30 bis 50 Jahre dauern.“ Und auch abseits der Arbeit ist Erich Brettschneider ein vielbeschäftigter Mann. In seiner Freizeit widmet er sich dem Downhill-Fahren mit seinem Sohn und kümmert sich gemeinsam mit seiner Frau um zwei Pferde. Das zweite Enkelkind ist bereits auf dem Weg.

Seine namibische Vergangenheit lässt Erich indes auch nach einem Vierteljahrhundert in Deutschland nicht los. „Mein Bruder wohnt noch in Namibia und wir haben viel Kontakt zur Familie dort. Wir bekommen auch oft Besuch aus Namibia“, erzählt er. Als leidenschaftlicher Hobbykoch widmet er sich gerne der südafrikanischen Küche. „Wir essen gerne Trockenfleisch und grillen regelmäßig.“ Für ein Mitarbeitenden-Kochbuch steuerte Erich „Wild-Bredie mit Aprikosen und Bier“ bei – ein klassisch südafrikanisches Rezept.